Wege und Werke
Marianne Kühn-Berger
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Kurt-Hermann Kühn
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  2010 Neuruppin im Garten   

     1982 Wilhelmshorst Glaswerkstatt   

MARIANNE KÜHN - BERGER

• geboren am 17. März 1927 in Breslau.

• gestorben am 29. Dezember 2016 in Neuruppin

• 1936 bis 1944 Ballett-, Mal- und Zeichenausbildung.

• 1946 Vertreibung, 1947-50 Studium in Leipzig

• Ab 1950 - kurzzeitig feste Mitarbeit am Deutschen Modeinstitut,

  seitdem freischaffend,

• bis 1990 VBK, Journalistenverband, Kulturbund

• ab 1990 Mitglied verschiedener Kunstvereine,

• Gewerkschaft ver.di, Brandenburger Kulturbund

• grafische und journalistische Tätigkeit in Presse, Rundfunk, Fernsehen.

Grundsatzbeiträge über Bekleidungsästhetik, Modegestaltung und -beratung

in feuilletonistischer Form für maßgebliche zentrale Zeitschriften, Magazine,

Journale, Verlage, Werbeinstitutionen (rund 2500 schriftliche und grafische

Veröffentlichungen.),

• Verpflichtungen als Kostümbildnerin für Film und Fernsehen (vorwiegend Ballett),

Entwicklung einer repräsentativen Bekleidung für die Stewardessen der INTERFLUG.

• Hinwendung zu freier Grafik und Miniaturmalerei.

• 1967 Erlernen verschiedener Glasbearbeitungstechniken. Intensive Beschäftigung

mit Flachglasgestaltung;

• architekturbezogene Arbeiten (Fenster-, Tür-, Spiegel- und Wand-

gestaltungen im Zusammenhang mit komplexer Farb- und Raumgestaltung) in

Foyers, Cafés, Bars, Kultur- und Gesellschaftsbauten.

• seit 1954 ca. 400 PERSONALAUSSTELLUNGEN (Boutique, Grafik, Malerei. Glas):

• AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN im In- und Ausland: BERLIN, DRESDEN,

NEURUPPIN, POTSDAM, COTTBUS, FRANKFURT/O, WARSCHAU, OPOLE,

POSEN, RUSSE, BUDAPEST, MISKOLZ, MOSKAU, MINSK, PRAG u.a.

• Durch öffentliche Ankäufe befinden sich Exponate u.a. in London, Minsk,

Warschau, Schwerin, Potsdam, Toronto, Madrid, Amsterdam, Sanssouci.

• Über Werk und Schaffen ist in zahlreichen Publikationen namhafter

Kunstwissenschaftler, Journalisten und Publizisten nachzulesen.

• Beispiele der Miniaturmalerei fanden 1976 Aufnahme im internationalen

Katalog der UNESCO

 

 

 

Seit 1992 bis zu ihrem Tod lebte Marianne Kühn-Berger mit Dieter Petke in Neuruppin zusammen. Er war ihre "zweite Hand" und die gute Seele des Hauses. 

 

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Marianne Kühn-Berger

zu Frauen und Mode

(in „TRIBÜNE“ am 15. Januar 1950)

Die Gleichberechtigung der Frau im gesamten gesellschaftlichen Leben, die für so viele Frauen vor allem die wirtschaftliche Selbständigkeit mit sich brachte, darf nicht vergessen lassen, dass eine Frau immerhin „Frau" ist und bleibt... Eine Frau hat mehr Freude am Leben, mehr Lust zur Arbeit, wenn sie mit Hilfe der Mode ihr Frau-sein betonen kann. Deshalb sollte man sich bemühen, den Frauen immer mehr das zu geben, was... zu ihrer Sicherheit und ihrem Selbstbewusstsein beiträgt... hier hebt... das Schlichte und Einfache die Persönlichkeit...Vielleicht liegt hier gerade das... was die „Männerwelt" ... mit Charme bezeichnet? Man kann wohl behaupten, daß kein anderes Gebiet so viel Einfühlungsvermögen in die Mentalität der Frau - besonders der werktätigen Frau - erfordert, wie gerade die Mode.

 

Kühn-Berger

zu Mode und „Westmode"

(in WOCHENPOST Nr. 30 1954) 

... Hier ist noch viel Erziehungsarbeit zu leisten. Wem kommt diese Aufgabe zu? - Nicht nur den Modegestaltern, sondern in erster Linie den Modezeitschriften. Viele Frauen nähen selbst. Sie sind den Entwürfen und Schnitten unserer Hefte hilflos preisgegeben. Sie wollen gut aussehen. Wie aber sehen die Modehefte aus? Treffender, als Frau Duwe aus Burgstädt (in einem Leserbrief...) kann man den Zustand unserer Modezeitschriften kaum charakterisieren. Sie schreibt: „... denjenigen aber, die sich ihr Grüngetupftes von 1938 zum drittenmal umarbeiten wollen, empfehle ich „Berlins Modenblatt". Können wir es uns denn leisten, eine derartige Möglichkeit zur geschmacklichen Bildung unserer Menschen ungenutzt zu lassen? Warum finden wir bei uns nicht wenigstens ein Modenblatt, das richtungweisend ist? Meiner Ansicht nach müßte man erstklassige Modegestalter, Kosmetiker, Friseure, die besten Fotografen, ausgezeichnete Pressefachleute für eine solche Zeitschrift zu gewinnen suchen. Das Institut für Bekleidungskultur, der Verband bildender Künstler, das Institut für Angewandte Kunst müßten in diesem Redaktionskollektiv vertreten sein ...

 

Marianne Kühn-Berger

Wo bleibt das gute Modejournal?

(in WOCHENPOST Nr. 51 von 1954)

... ist nicht anzunehmen, dass unsere maßgeblichen künstlerischen Kräfte sich der Entwicklung eines einwandfreien Modejournals mit internationalem Charakter verschließen werden. Darum noch einmal: Die Arbeit unserer Modeschaffenden muss  durch ein umfassendes, richtungweisendes Modeheft unterstützt werden! - Und nun hat das Ministerium für Leichtindustrie das Wort...

 

Harald Kretschmar

zum Modejournal "Sibylle"

(in  Paradies der Begegnungen Faber&Faber Verlag Leipzig 2008)

… Die Idee für das ganz besondere Modejournal war im Disput bei Sibylle Gerstner unterm Rhododendron am Zehlendorfer Damm 132 entstanden. Während die Kühnschen Söhne mit den Gerstnertöchtern spielten, wurden von den Müttern (übrigens beide Malerinnen aus Breslau) die ersten Seiten der Zeitschrift entwickelt, die 1956 unter dem Namen »Sibylle« modebewusste Frauen entzückte. Bald wurden Marianne und Namensgeberin Sibylle Opfer von Mobbing. Die Gründung aber hielt stand für Jahrzehnte. Wieder einmal war eine enorme Innovation vom Territorium dieses Ortes ausgegangen - ein Mode wie Kunst gleichermaßen berührendes Periodikum. Toll, sagten 1990 die marktwirtschaftlichen Übernehmer des Projektes. Binnen drei Jahren hatten sie es in den Ruin getrieben.

 

Dr.Wally Poltiniak

(in Märkische Volksstimme 21.06.1974)

Man muss sich, glaube ich, über längere Zeit mit diesen Bildern verständigen, sie erwarten mehr als nur den ersten Blick ... Es ist ihr Anliegen, eine Idee in vielen, der Idee möglichen Beziehungen abzuhandeln. Oftmals geschieht das mit ganz konkreter Angabe von Ort und Zeit, doch dann wiederum als eine Art verallgemeinerte Existenz. Das wird voll und äußerst wirkungsvoll in der Komposition „Drei Monde" ausgespielt. In einem kosmischen Raum voller Stille und Harmonie kreisen Monde wie Leuchten. Dazwischen der helle Körper einer Frau, eine schwebende Gestalt, erfüllt von phantasievollen Ideen und Gefühlen. Es ist, als kehre sie langsam aus ihren Träumen zurück, so, als vollende auch sie wie die Monde einen Kreislauf. Wie sie löst sie sich, entflieht der Dingwelt, um doch dem Realen nahezu bleiben. Die Hände im Bild sprechen es aus, fordern sie behutsam zurück. Die ganze Fläche ist in lasierenden Schichten gemalt, weich und ausschwingend die Farben gesetzt. Die Empfindungen der Künstlerin sind in die Struktur des Bildes eingegangen, machen es lebendig…

 

Heinz Schönemann

(in „MÄRKISCHE VOLKSSTIMME“ 01.02.1980)

... Die Arbeiten und Experimente im angewandten Bereich werden begleitet von miniaturhaften Gemälden, die dem Platz der Frau in der heutigen Welt nachforschen ... Die Allegorien und Metaphern entstehen wie nach einem vorgefaßten Programm. Ihre ernste und nachdenkliche Haltung erreicht deshalb nicht die frivole Leichtigkeit des Lehrers Max Schwimmer. Sie bleiben strenger und herber als die ihr im weiblichen Ausdruck vergleichbaren Miniaturen von Bele Bachem …

 

 

Günter Rieger

(in 750 Jahre Neuruppin Festschrift 2006)

“Sie stattete unter anderem das beliebte Café Rosengarten in Neuruppin 1987 vollkommen neu aus - von der hier bislang ungewohnten dunkelblauen Wandfarbe, den dazu eigens entworfenen weißen Tischen, Stühlen, Lampen, Trennelementen, den Raumtextilien, der einheitlichen Servierkleidung bis zur Auswahl des Geschirrs und der Servietten. Themenangepasster Diamantriss auf Fenstern und Spiegeln (noch mit 40 Jahren absolvierte sie erfolgreich eine Ausbildung für Flachgasgestaltung) vollendeten den ästhetischen Gesamteindruck. So schmückten auch Türen mit ihren Glasgestaltungen das ehemalige Puschkinhaus - künstlerisches Design auf hohem Niveau. Nur wie bei vielen anderen vergleichbaren Dingen, der neue herrschende Einheitsgeschmack nach der Wende geht über Geschaffenes zerstörerisch hinweg, ohne nach dem Was und Warum zu fragen, und ignoriert regionale Tradition und Verwurzelung.“

 

 

Marianne Kühn-Berger

Die ersten Mode-Comics

(in „Das große DDR-Modebuch“ Eulenspiegel Verlag Berlin 2010)

„Ich habe gezeichnete Serien entwickelt, in den ich den Vorher-nachher- bzw. Richtigfalsch-Gegensatz ins Bild gesetzt habe. Das waren z.B. die »Familie Schick«, »Die kleine Modeschule«, »Amandus Flott« oder die Bildgeschichten über »Olga, Evchen und Babette« - eine lange, eine kleine und eine dicke Frau, die zeigten, was welcher Typ am besten tragen sollte. Veröffentlicht wurden die Serien in der »Worhenpost«, im »Magazin«, in der »Für Dich«, in »Elternhaus und Schule« usw. Diese heitere Note kam sehr gut an.“

 

  

Silke Kreibich

(Vortrag zur Gedenkfeier am 17.3.2017 in Neuruppin)

Wer die Zeichnungen sieht, erkennt Marianne Kühn-Berger als Autorin sofort. In ihren Zeichnungen und Grafiken betont sie die Augen Ohren und Hälse der Frauen. Den Worten Marianne Kühn-Bergers nach zeigt die erhobene Kopf- und Halshaltung Aufmerksamkeit und Wachsamkeit. Mit ihren großen Ohren hören die Frauen aufmerksam in die Zeit hinein. Und mit ihren großen Augen sehen und erkennen Sie Ihre Umwelt. Augen seien nicht nur zum Gucken da. Einige Grafiken zeigen Frauen deren Beine in der Erde Wurzeln und sich mit der Natur verbinden. Lange stand für Marianne Kühn-Berger das Motiv der Verwurzelung der Frau mit der Natur für deren Bewusstsein in Bezug zur Tradition. Dieses Motiv griff die Künstlerin in den letzten Jahren wieder auf. Das Bild „Freiheit wenn du kannst“ präsentierte sie in ihrer Ausstellung in der Richterakademie Wustrau im vergangenen Jahr. Hier hatte das Bildthema eine andere Bedeutung bekommen. Die Künstlerin erklärte mir, dass die Frauen ihren Aufgaben und Pflichten wie der Kindererziehung Familie und dem Beruf kaum entfliehen können. Oft bleiben ihre eigenen Träume und Ziele auf der Strecke.